Bei der Wahl der Materialien beim Camper Aus- und Umbau oder der Sanierung eines alten Wohnmobils kann man so einiges falsch machen. In diesem Artikel möchte ich meine bisherigen Erfahrungen einmal zusammenfassen. Wer den BlogWoMo Um- und Ausbau verfolgt hat sicher schon einiges mitbekommen, aber nicht alles was ich so im Laufe der Zeit gelernt habe, findet sich dort oder man muss es sich zusammensuchen. Deshalb möchte ich diese Erkenntnisse noch einmal gebündelt zusammenstellen. Heute geht es dabei um Schrauben und um 12V Leitungen.
Schrauben
Nachdem ich jetzt schon einiges an unserem Wohnmobil saniert, renoviert und umgebaut habe, begegnet mir ein Thema immer wieder und das sind angerostete oder durchgerostete Schrauben. Ich schätze, ich habe schon einige hundert Schrauben an der Reisenden ersetzt, weil sie total verrostet und zum Teil durchgerostet waren. Das hat zum einen zur Folge, dass sich Schrauben kaum entfernen lassen, was aber noch kritischer zu sehen ist, dass unter durchgerosteten Schrauben die Stabilität des Aufbaus leidet. Man stelle sich vor die Schrauben, die die Oberschränke halten sind durchgerostet und auf einer Strecke mit Straßenschäden. die das Wohnmobil so richtig durchrütteln, hängt plötzlich der Oberschrank schräg unter der Decke, oder die Einlegeböden im Schrank fallen alle mitsamt dem was darauf steht nach unten. Letzteres haben wir schon erlebt.
Wir sind dann zum nächsten Baumarkt gefahren, der zum Glück nur 10 km entfernt war, haben Edelstahlschrauben, Expressleim und Leisten gekauft, die Leisten im Zuschnitt gleich auf die richtige Länge teilen lassen und dann auf dem Baumarktparkplatz unseren Schrank repariert.
Das Problem hat man aber nicht nur mit den Schrauben, die den Aufbau zusammenhalten. So sind z.B. auch die Gewindeschrauben, die die Stützen halten verrostet und lassen sich nicht mehr lösen. Nun muss ich aber die alten Linnepe Quicklift Stützen abbauen, da die Zahnstange so weggerostet ist, dass sie sich nicht mehr richtig ausdrehen lassen sondern immer wieder zusammengedrückt werden, weil die Zähne nicht mehr halten. Es bleibt wir also kaum etwas anderes übrig als die Schrauben mit der Flex abzutrennen. Ein ähnliches Problem hatte ich mit der alten Ausfahrtreppe. Auch dort waren die Schrauben komplett verrostet und es half nur noch der Trennschleifer.
Alle Schrauben, die ich einmal ausgedreht habe, habe ich zumindest in den Bereichen, die besonders feuchtigkeitsgefährdet sind, durch rostfreie Edelstahlschrauben ersetzt, egal ob Gewindeschraube, Holzschraube oder Blechschraube, sofern ich solche finden konnte. Bei Schraubenmaßen, die nicht in Edelstahl zu bekommen waren, habe ich auf verzinkte zurückgegriffen, wohlwissend, dass das nicht dauerhaft vor Rost schützt.
12V Kabel und Steckdosen
Gerade wenn man eine umfangreiche 12V-Installation im Wohnwagen oder Wohnmobil hat, ist es wichtig auf die richtigen Kabelquerschnitte zu achten. Als ich in der Reisenden die Bordelektrik erneuert habe, habe festgestellt, dass teilweise zu dünne Kabel zu den 12V Steckdosen führten. Eine solche Steckdose kann bis 10A also einer Leistung von max. 120W sicher genutzt werden. Gemäß Berechnungsformel
A = ( I x 0,0175 x L x 2) / (DF x U) mit
- A - Kabelquerschnitt mm²
- I - max. Strom in Ampere
- L - einfache Leitungslänge
- DF - prozentualer tolerierbarer Spannungsabfall (Wert in Prozent / 100)
- U - Quellspannung
- 0,0175 Ohm pro mm2 pro 1 Meter spezifischer Widerstand von Kupferleitungen
- Faktor 2 weil Hin- und Rückweg zusammen den zulässigen Spannungsabfall bestimmmen
benötigt man bei 2m Leitungslänge einen Querschnitt von 2,9 mm². Der nächstgrößere handelsübliche Querschnitt ist 4 mm². Wenn die Leitungen länger werden steigt der Querschnitt proportional weiter an. Gerade auch die Leitungslänge im WoMo oder WoWa sollte man nicht unterschätzen. Auch bei einem Fahrzeug mit nur 5,5m Länge kommen wegen der Verlegung entlang der Wände schnell mal 5 bis 6 m Leitungslänge zusammen. Außerdem sollte man die Leitungen immer überdimensionieren, um einen Sicherheitspuffer zu haben, also wählt man den nächst größeren gängigen Kabelquerschnitt. Dimensioniert man die Kable zu dünn, damit riskiert man, dass sie heiß werden, einen Kurzschluss verursachen oder im schlimmsten Fall einen Schwelbrand auslösen. Wenn der hinter einer Verkleidung ist, kann das böse Folgen haben. Selbst wenn es nur zu einem Kurzschluss kommt und man die Leitung erneuern muss und dazu Teile des Ausbaus entfernen muss, hat man unnötig viel Aufwand. Also Kabelquerschnitte eher großzügig auslegen und alle Kabel in Leerrohren oder Kabelschläuchen verlegen, damit man im Notfall diese leicht austauschen kann. Und auch diese Rohre oder Schläuche beim Ausbau lieber größer wählen. Wenn man dann doch irgendwo noch eine PowerDelivery Dose mit 100W nachrüsten will und dazu ein zusätzliches Kabel verlegen muss ist es ärgerlich, wenn es nicht mehr durch das Rohr passt.
Hier sollte man im Übrigen auch aufpassen, wenn man die entsprechenden 12V-, USB- oder PD-Dosen im Internet bezieht. Teilweise kommen diese mit bereits angesteckten Kabeln mit Sicherungshaltern. Alle die ich bisher gesehen haben hatten zu kleine Kabelquerschnitte. Bei mir im Keller liegt eine ganze Sammlung solche vorkonfektionierter Kabel. Zudem sind Sicherungen hinter der Dose extrem unpraktisch, weil man an vielen Einbauorten gar nicht von hinten an die Dose und damit die Sicherung herankommt, ohne die Dose auszubauen. Sinnvoll ist hier ein zentraler Sicherungskasten, von dem die Leitungen zu den Dosen abgehen. Ich habe übrigens je Seite des Wohnmobils einen eingebaut, um die Kabellängen zu den Dosen zu reduzieren. An jedem der Sicherungskästen kann ich gleichzeitig max. 20A abnehmen, da die Zuleitung zum Sicherungskasten 10mm² Querschnitt bei 3m Länge und einem zulässigen Spannungsabfall von 2% haben. Insofern ist es sinnvoll eine entsprechende 20 A Sicherung in die Zuleitung einzufügen, so dass der Strom unterbrochen wird, wenn zuviele Verbraucher gleichzeitig an dem Verteiler angeschlossen werden. Braucht man höhere Gesamtströme am Verteiler muss man entsprechend auf stärkere Zuleitungen aufrüsten z.B. auf 16 mm² (max. 36 A bei 3 m) oder 25 mm" (mx. 57 A bei 3 m).
